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Ausstellung mit Unterstützung des École supérieure d'art d'Aix-en-Provence und AMI - Aide aux Musiques Innovatrices im Rahmen des Printemps de l'Art Contemporain 2018 nach einem Künstleraufenthalt im Observatorium de Haute-Provence 2017.
Redaktion des folgenden Textes, verfügbar im während der Ausstellung: ESAAix; Übersetzung Milena Walter

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Im Observatoire de Haute-Provence existieren Natur und Technik nebeneinander und beeinflussen sich gegenseitig. Diese Technik steht sowohl im Dienst einer durch den Klimawandel eingeschränkten Biodiversität, als auch der am weitesten entfernten Planeten, die es noch zu erforschen gilt.
Der Besucher erfasst Thema und Raum durch Milena Walters immersive Installation. Die Installation "Konzentrat", die Sound und Licht miteinander verbindet, ermöglicht das Erleben eines Tages im Observatorium, jedoch auf 24 Minuten kondensiert. Hier geht die Sonne zum Zwitschern der Vögel auf, markiert ihre beschleunigte Flugbahn und weicht einer lauten, rätselhaften Nacht. Die Klänge der uns umgebenden Natur, vermischt mit denen der technologischen Hilfsmittel, offenbaren eine futuristische - manchmal beunruhigende - Atmosphäre, die die Zukunft eines gefährdeten Ökosystems in Frage stellt. Alternative Timeline einer jüngeren Vergangenheit, lässt die Installation eine leicht veränderte Zukunft vermuten.

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Zu diesen atmosphärischen Daten fügt sich eine Serie von eigenartigen Raumfahrzeugen hinzu. Von der Decke hängend, handelt es sich um Nistkästen für Vögel. Die Form dieser Vogelhäuser spiegelt sowohl die Architektur von wissenschaftlichen Einrichtungen als auch eine gewisse Science Fiction Ästhetik wider. An der Grenze zwischen unbenutzbaren Modellen und bewohnbaren Nestern werfen diese Strukturen die Frage ihrer Funktionsfähigkeit auf. Die für die Installation "Birdships" gewählten Materialien - Holz, Kunststoff, Metall und Styropor - implizieren auch die Problematik der Gesundheit von Körpern in ihrer alltäglichen Umgebung.

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Diese architektonischen Typologien finden in der Installation "Den Blick heben" ein deutliches Echo. Hier stellt Milena Walter 56 Pläne bestehender Institutionen gegenüber. Observatorien, Sternwarten, aber auch Kirchen und Klöster haben ähnliche geometrische Formen, und, akribisch nachgezeichnet, bleiben alle diese Räumlichkeiten einer Erforschung gewidmet, ob wissenschaftlich oder spirituell. Die Serie von Zeichnungen erzeugt naturgemäß eine Systematisierung der Architekturen und wird zu einem Katalog von standardisierten, gebrauchsfertigen Formen.

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Neben diese Orte stellen sich die Berichte. Während ihres Aufenthalts nahm sich die Künstlerin die Zeit, den Besuchern, wissenschaftlichen Mitarbeitern und dem technischen Personal der Sternwarte zuzuhören. Durch die Überarbeitung der gesammelten Daten bearbeitet sie poetisch die Worte der Nutzer dieses Ortes. Die Interaktion zwischen einer Architektur und ihren Benutzern ist der Kern von "Die Beobachteten". Die plastische Form der Texte greift die visuellen Codes von administrativen Hinweisschildern auf. Abgetippt und laminiert, kommen die räumlichen Angaben strenggenommen nicht mehr von einem Informationsbedürfnis, sondern sind das Ergebnis von Austausch, Treffen und persönlichen Berichten.

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Das auf den Boden der Ausstellungshalle projizierte Video stellt auch die praktische Nutzung eines Ortes in Frage. Die Künstlerin tappt im Dunklen durch die Reihen der Bibliothek des Observatoriums, die seit einiger Zeit buchstäblich im Dunkeln liegt. Der Mangel an Licht im Raum macht die Bibliothek überflüssig und zeigt, dass sich die Forschungsaktivitäten deutlich von traditionellen Orten auf digitale Geräte verlagert haben. Bei ihrer Vorwärtsfahrt bewegt sich die Kamera instinktiv auf das vom Fenster ausgehende Licht zu. Absichtlich klaustrophobisch, multipliziert sich das Video. Es entfaltet sich auf dem Boden, nicht ohne Echo auf das diffuse Licht, das durch die Buntglasfenster einer Kirche gefiltert wird.

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